Rückblick auf das 6. Praxisorientierte Musiksymposium 2006

Erfolgreiche und vielseitige Informations- und Weiterbildungs-Veranstaltung

Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz: Rund 110 Teilnehmende interessierten sich für das Symposium auf dem Fürigen, das dieses Jahr unter dem Motto «Die Musikbranche – Spielball externer Player» stand. Interessante Fachreferate, ein Austausch zu wichtigen Entwicklungen – ja gar ein Dialog zu traditionell Strittigem – und ein Blick in die Zukunft des Mediums Musik waren eine Anreise wert.

Auszüge aus dem Schlussbericht des SVMV (Schweiz. Vereinigung der Musikverleger):

Den Auftakt machte Roy Oppenheim (SUISA) mit seiner philosophisch angehauchten Keynote «Musik als Fastfood in der Wegwerfgesellschaft», in der er u.a. darauf hinwies, das man trotz aller technischen Entwicklungen nicht vergessen sollte, dass es sich bei Musik immer noch ein kreative Gut handle.

Es folgte Gerd Leonhards Vortrag zur «2. Runde der Internet-Revolution». Der «Music- & Media-Futurist» erläuterte die Trends hin zu komplett neuen Medienformen, zur Teilnahme und Selbstdarstellung und wie sich diese Mitmachkultur auf die Musik- und Medien (Content)-Industrie auswirken wird. Dem Mitspieler sind praktisch keine Grenzen mehr gesetzt, in welcher Form er selbst Content produziert. Dies bedeute auch, dass die Idee von Vertriebs- oder Konsumentenkontrolle tot ist, die Grenzen zwischen Off- und Online verwischt sind und es nun darum geht, diese Flut von Informationen und Angeboten zu filtern um davon profitieren zu können.

Im Panel «Förderung der Schweizer Musik & Revision URG» diskutierten Nationalrätin Christine Egerszegy-Obrist, Patrick Linder (Schweizer Musikrat) und Peter Vosseler (IFPI Schweiz) die Wichtigkeit der Musikförderung. Sie stellten fest, dass hier vermehrtes Lobbying von Nöten sei, wenn die Anliegen der Musikschaffenden vom Parlament wahrgenommen werden sollten. Christine Egerszegy forderte die Anwesenden auf, als geschlossene Interessengemeinschaft aufzutreten. Dies sei auch das Erfolgsrezept der Bauerngemeinschaft, deren Lobby so mächtig ist. Hier sind die Musikschaffenden nun auch wirklich gefordert eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, damit sie sich bei den Parlamentariern Gehör verschaffen.

Chris Wepfer (Phononet Schweiz) präsentierte das «Music Promotion Network» für die zukünftige digitale Bemusterung der Medien das in einigen Monaten startbereit sein wird.

Urs Zumbühl und Lukas Leuthold (Digitalworld AG) machten mit ihrer Präsentation «Load up» den nahtlosen Übergang. Ihr Dienstleistungssystem zur Aufbereitung von Music-Content für das Phononet rsp. für Download-Anbieter ist bereits erfolgreich gestartet und dient jenen, die Content nicht selbst aufbereiten.

Im Panel «Eng formatierte Radios – Die Killer der Musikszene» waren emotional geladene Diskussionen vorprogrammiert. Es wurde jedoch ganz gezielt eine konstruktive Auseinandersetzung angestrebt. Vertreten waren Susanne Spreiter, DRS 3, Giuseppe Scaglione, Radio 105 & Radio Monte Carlo, Ronny Nenniger, Radio Energy, Roger Rhyner, Radio Zürisee, Victor Waldburger, TBA, Rolf Schlup, Musikvertrieb AG und Kurt S. Weil.

Das Thema wurde am Symposium schon öfter behandelt und endete jedes Mal lediglich in einer frustrierenden Manifestation der verschiedenen Positionen. Diesmal geschah Erstaunliches: Zu spüren war für einmal die Bereitschaft, sich zusammenzusetzen und gemeinsam darüber zu diskutieren, wie sich zukünftige Radioprogramme verbessern lassen. Denn die Verantwortlichen der streng formatierten Radios haben inzwischen gemerkt, dass ihr limitiertes, auf Hitparaden-Titel und einer Auswahl Oldies beschränktes Repertoire die Hörer auch nicht mehr zufrieden stellt, d.h. diese hören längst nicht mehr bewusst zu, das Radio läuft lediglich noch als «Background».

Victor Waldburger von TBA gab dann auch den entscheidenden Impuls indem er alle Anwesenden aufforderte, ab heute etwas in Gang zu setzen, das sich auf alle positiv und befruchtend auswirke, nämlich die alten Gewohnheiten über Bord zu werfen und einen gemeinsamen Tenor zu suchen.

Unter den Seminarteilnehmern befanden sich weitere Vertreter von Lokalradios, u.a. Michel Erismann von Radio Argovia, der diesen Vorschlag begeistert begrüsste und sich gar anbot, sich mit den andern Radio-Verantwortlichen zusammenzusetzen um mit ihnen gemeinsam eine neue Radio-Programm-Strategie auszuarbeiten.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Änderungen wird mit Sicherheit die Erweiterung des Programmanteils an Neuheiten und zwar internationalen wie nationalen sein.

Das anschliessende Panel wurde von Alec von Tavels Keynote «Die Musikindustrie auf dem Weg zur Non Profit Organisation?» eingeleitet, Von Tavel nahm einerseits eine nüchterne Bestandesaufnahme unserer Musikindustrie vor, plädierte andererseits aber auch für eine Erhaltung der Sinnlichkeit in der Musik, da diese eine wichtige Motivation für den Konsumenten darstelle, der Musik ihren verdienten Wert zuzuerkennen und somit auch etwas dafür zu bezahlen.

Im Panel «Downloadanbieter vs Vermittler vs Internetshops vs physische Tonträgerverkäufe» mit Peter Bühler (CeDe Shop), Roger Brustio (Apple Schweiz), Alessandra Nicoletti (My Coke), Ben Schluep (One2joy), Gabriele Ruttloff (gr media) und Beat Weibel (Manor AG) wurde diskutiert, ob sich Trends bezüglich der Verkäufe, physisch oder online, abzeichnen und wie das Verhältnis von physischen zu Download-Verkäufen steht. Aber auch die Problematik in Bezug auf Promotionsmöglichkeiten von Neuheiten oder unbekannteren Acts kam zur Sprache - insbesondere der immer kleiner werdende Platz für Tonträger im Handel.

Man war sich einig, dass die Download-Verkäufe in Zukunft noch stark zunehmen, diese die physischen Verkäufe jedoch nie ganz verdrängen werden, da die Downloads eben den sinnlichen Genuss einer physischen CD mit allen Zutaten wie  Booklet, Fotos, Liedtexten, Videos usw. nicht bieten können.

Den Auftakt am 2. Seminartag machte Bernhard Wittwiler mit seinem Referat «Crossborder Licensing von Online-Rechten in Europa» - zu diesem komplexen Thema hat die Diskussionen erst begonnen, es zeichnet sich aber ab, dass es im Online-Bereich zu einer Konkurrenz unter den Verwertungsgesellschaften kommt.

Im Panel «Facts & Figures» der Antipiraterie-Kampange «Game Over» diskutierten Annelies Hophan (SonyBMG), Beat Högger (IFPI Schweiz), Christian Hubschmid (Sonntags Zeitung) und Philip Wegmüller (Facts) über die Auswirkungen harter Bestrafungs-Strategien gegenüber «Internet-Nutzern». Man kam zum Schluss, dass die Piraterie bekämpft werden muss, weil die Urheber für Ihre Werke zweifellos bezahlt werden müssen, dass harte Strafmassnahmen allein jedoch nicht genügen, um bei der Masse der Internetnutzer etwas nachhaltiges zu bewirken und dass parallel dazu gut durchdachte Aufklärungskampagnen vor allem bei Schülern und jugendlichen von Nöten sind. Beat Högger wies darauf hin, dass diese Kampagnen noch in diesem Jahr beginnen würden und sobald das ganze Konzept dafür ausgearbeitet sei, in den Medien auch ausführlich darüber berichtet würde.

Anschliessend demonstrierten Richard M. Schneider & Leszek Oginski (Firma Logistep AG) ihre ausgeklügelte Anti-Piracy-Technologie, mit der sie illegale Daten von Internet-Usern identifizieren und den fehlbaren Nutzer rechtlich belangen können.

Den Abschluss dieser 6. Informations- und Weiterbildungs-Veranstaltung bildete das Podiumsgespräch «Creative Commons» mit Urs Gehrig (Openlaw), Poto Wegener (SUISA) und dem Komponisten und Musiker PJ Wassermann. Es wurde u.a. darüber debattiert, was denn CC für die Verleger, Produzenten, Vertriebe und Künstler konkret bedeute, resp. wer überhaupt ein Interesse daran haben könnte, in ein Werk zu investieren, welches dann als Open-Source-Software (d.h. zur unentgeltlichen Verwendung) freigegeben wird. Es wurde bald klar, dass dies ein heisses Thema war und junge Künstler sich gut überlegen sollten, bevor sie einen Song kostenlos anbieten, nur um diesen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Die Resonanz der Teilnehmer auf diesen 6. Branchentreff war einmal mehr ausgezeichnet. Auch wenn die Musikbranche sich in einer äusserst schwierigen und angespannten Lage befindet, war man trotzdem der Meinung, dass es für alle in der Musikbranche tätigen neue Wege und Möglichkeiten gibt, und dass Events wie dieses Musiksymposium zweifellos dazu beitragen, neue Zukunftsperspektiven, Anregungen und Ideen auszuloten.»(SVMV)

 
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