| Polo
Hofer & die Schmetterband: Ein Kaleidoskop zum Jubiläum
(SMN)
Auf "Über alli Bärge" dem
20. Album seiner Karriere, zieht der Berner Dialektsänger und -texter
Polo Hofer zusammen mit der bewährten Schmetterband eine Art
musikalische Zwischenbilanz - die sich auch Neuem nicht verschliesst. Im
SMN-Gespräch geht es natürlich auch um Hanf, dem nicht nur optisch
Referenz erwiesen wird.
SMN:
In «E gfragte Maa» beschreibst Du eindringlich, wie Dir zumute ist,
wenn Du überall angesprochen und wegen allen möglichen Dingen
ausgefragt, ja «verhört» wirst. Wird es Dir manchmal wirklich zuviel?
Polo Hofer:
Das kann man so sagen. Gerade wenn - wie jetzt - wieder ein neues Album
erschienen ist, wollen natürlich viele etwas von mir wissen.
SMN:
Trotz der Textzeile «I wett mi Rueh ha» setzt Du Dich Fragen immer
wieder aus. Könntest Du Dich nicht zurückziehen und es wie die grossen
Stars handhaben, die nur ausgesuchte Interviews geben?
Polo Hofer:
Das gehört eben zum Geschäft. Ausserdem kommt es auf die Situation an.
SMN:
Oft setzt Du die Themen ja selber. Zum Beispiel mit dem als Radiosingle
vorab abgegebenen Stück «Kiffer» sowie mit Deinen Äusserungen zum
Canabiskonsum.
Polo Hofer:
Das kommt nicht von ungefähr. Der Titel ist zwar relativ neutral
gehalten, doch es ist mir ein grosses Anliegen, dass die zur Abstimmung
anstehende Initiative ‘Jugend ohne Drogen’ keine Chance erhält. Ich
stelle mich gegen die damit verbundene Repression und setze mich für
den Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament ein, der eine
Liberalisierung mit sich bringen würde. So gesehen, ist dies ein
politisches Engagement...
SMN:
...das Du ja schon sehr lange verfolgst.
Polo Hofer:
Die Thematik hatte ich schon wiederholt aufgegriffen - erstmals auf
«Vogelfueter», meiner Debüt-LP mit Rumpelstilz. Jetzt schliesst sich
der Kreis. Doch das Problem bleibt so aktuell wie vor 20 Jahren. Die
Drogenthematik hat sogar an Bedeutung gewonnen: sie steht heute auf Rang
eins, noch vor der Arbeitslosigkeit.
SMN:
Nicht nur inhaltliche, sondern auch musikalische Elemente kehren bei Dir
und der Schmetterband immer wieder zurück. Geschah dies beim
Jubiläumsalbum bewusst?
Polo Hofer:
Wir haben tatsächlich Erfahrungen aus all diesen Jahren eingearbeitet,
sogar bis zurück zur Rumpelstilz-Epoche. So klingt der Titelsong nach
Hanery Amman. Neben den Dialektballaden und Rockstücken kommen Funk und
neuere Genres vor, werden Loops und Samples eingesetzt. Dies geschah
übrigens erstmals mit einem vollamtlichen Produzenten, Markus Kühne.
Überdies luden wir zahlreiche Gäste ins Studio. Zugute kommt dem
Album, dass die Band in dieser Besetzung seit etwa 1984 zusammen ist.
Was wir in dieser Zeit gelernt haben, bringen wir auf dieser CD ein.
SMN:
Gab es weitere Vorgaben als die der Reminiszenzen an das eigene
Schaffen?>
Polo Hofer:
Ich bestand darauf, das letzte Wort zu haben.
SMN:
Hat es das gebraucht?>
Polo Hofer:
Durchaus, denn jemand muss die Linie setzen - oder entscheiden, welche
der aufgenommenen Stücke tatsächlich veröffentlicht werden.
SMN: Als Figur
von nationalem Interesse wirst Du gelegentlich zur Zielscheibe, selbst
von Musikerkollegen aus Deiner Generation. Was sagst Du zum Stück
«Für dr Polo» von Hardys Heppchor?
Polo Hofer:
Absolut lächerlich, eine Frechheit. Da werde nicht nur ich selber,
sondern die gesamte Berner Musikszene durch den Dreck gezogen. >
SMN: Was kommt
als Antwort?
Polo Hofer:
Für «Über alli Bärge» hat’s leider nicht mehr gelangt, aber der
Hardy kommt noch dran! Auch Endo Anaconda (Stiller Has), der auf meiner
neuen CD mitwirkt, hat angekündigt, er werde zurückschlagen.
SMN:
Das dürfte spannend werden... Was beschäftigt Dich mit Blick auf die
Schweizer Musikszene zur Zeit am meisten?
Polo Hofer:
Ich verfolge die Entwicklungen mit grossem Interesse und freue mich,
wenn neuen Interpreten Aufmerksamkeit zuteil wird.
SMN:
Offenbar hapert es daran manchmal. Was hältst Du von der Petition für
mehr einheimische Musik in den Lokalradioprogrammen?
Polo Hofer:
Die hat meine volle Unterstützung, obschon ich zwei Titel pro Stunde
sogar noch zuwenig finde. Bei meinen Radiobesuchen lenke ich gerne auf
dieses Thema, das ja kultur- und wirtschaftspolitische Aspekte hat. Wenn
mehr einheimische Musik - egal welcher Art - gespielt würde, ginge
weniger Geld ins Ausland. Wie das funktioniert, zeigen uns die
Franzosen.
Interview:
Frank Hänecke |