(Siehe
auch CD-Besprechung)
SMN:
Wie waren denn die ersten Reaktionen auf «Wohlium 1»?
Philippe Stalder: Das Medienecho war bis jetzt
positiv. Die meisten Leute stellen wohl zu Recht fest, dass es sich
hierbei um ein ‚schönes‘ Album handelt, das man aber zwei- bis
dreimal hören muss, um seine wirkliche Tiefe zu finden. Tatsächlich
handelt es sich ja nicht um eine ‚schnelle Platte‘.
SMN: Mit dem genauen Zuhören verlangst Du den
Leuten aber auch etwas ab, das in unserer Zeit nicht selbstverständlich
ist.
Philippe Stalder: Klar, das ist meine Absicht.
Mich interessieren Wechsel und Brüche, die kleinen Dinge, die irgendwie
nicht ganz stimmen. Manche meiner Geschichten fangen harmlos an und
steigern sich in diese Dimensionen, decken Widersprüchliches auf.
SMN: Dieses Vorgehen scheint sich auf der
musikalischen Ebene zu spiegeln, wo ganz unterschiedliche Genres
aufeinander stossen und Brüche verursachen.
Philippe Stalder: So ist es. Ich denke, dass
bestimmte Texte auch bestimmte Formen beanspruchen – und umgekehrt.
Ich entwickle meine Ideen gleichzeitig auf der musikalischen und
textlichen Ebene. Das geht Hand in Hand.
SMN: Auf «Wohlium 1» gibt es
durchaus rockige, melodiöse, ja lüpfige Songs. Es überwiegen aber
melancholische Lieder, darunter solche mit Titeln wie «Friedhof»,
«Advent» oder «Chalet Heimelig». Habt ihr einen Longplayer für die
bedächtige Winterzeit gemacht?
Philippe Stalder: Eindeutig. Nachdem die zwölf
Songs im Kasten waren, habe ich selber gemerkt, dass dies eine
Winterplatte wird. Erst wollte ich dies mit der Zugabe von fröhlichen
Songs brechen, doch habe ich mich dann doch für die Beibehaltung des
Spannungsbogens entschieden.
SMN: Woher denn diese eher traurige
Grundstimmung?
Philippe Stalder: Ich bin nicht depressiv, mir
geht es gut. «Wohlium 1» dokumentiert vielmehr meine nachdenkliche
Haltung. Ich setzte mich mit vielen Dingen vertieft auseinander.
SMN: Du textest die Songs alle selber. Woher
holst Du die Inspirationen?
Philippe Stalder: Aus der Ruhe. Ich suche die
meditative Stille oder die Abgeschiedenheit, zum Beispiel bei einem
Waldlauf. Hektik und Aktivitäten rund um mich herum behindern meinen
kreativen Prozess eher.
SMN: Ist das nicht hinderlich für das Teamwork?
Du hast das Album ja nicht alleine eingespielt.
Philippe Stalder: Der Keyboarder Alex Paeffgen
war in der Entstehungsphase gleichzeitig mein Gegenpol und meine
Ergänzung. Was ich chaotisch lieferte, brachte er in eine strukturierte
Form. Wir haben hier sehr von den Möglichkeiten der computergestützten
Arbeit profitiert. Die Stücke tönen überhaupt nicht danach, denn
später wurden sie mit echten Musikern gespielt, doch hatte ich hier
mein Aha-Erlebnis, was man heute auf diese Weise alles machen kann.
SMN: «Wohlium 1» wird als Soloalbum eines
Ex-Musikers von Patent Ochsner angepriesen. Was sagst Du selber zur so
betonten Verbindung zu Deiner Herkunftsgruppe?
Philippe
Stalder: Das ist eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits zieht
das als Verkaufsargument bei denen, die mich nicht kennen und löst auch
einiges Medieninteresse aus. Andererseits fühle ich mich mit Patent
Ochsner heute nicht mehr verbunden, obschon es gelegentlich zur
Zusammenarbeit kommt. Es ist nun einfach so, dass über diese Band mein
Cellospiel so bekannt geworden ist – keine andere Gruppe gab diesem
Instrument so prominent Raum. Daher ist die musikalische Nähe zwischen
uns vorgegeben.
SMN: Wie bist Du übrigens auf den Namen
Pfefferland gekommen? Er verspricht Schärfe, Würze und rassig
Riskantes – Dinge die nicht unbedingt zum Hauptinhalt von «Wohlium
1» zählen...
Philippe Stalder: Da schwingen viele Sachen mit
hinein. Ich sehe es zum Beispiel als Referenz an die beeindruckende
Insel Madagaskar, wo ich tatsächliche Pfeffer habe wachsen sehen.
Früher wünschte man jemanden ins Pfefferland, also in die unbekannte
Ferne. Heute sind die durch uns kolonialisierten Pfefferländer ja
gesuchte Feriendestinationen – was die Frage nach der Ausbeutung
aufwirft. Das gilt auch für die Musik, liefern uns Afrika und
Drittweltländer doch pausenlos Inspiration. So gesehen, verweist unser
Bandname auf eine differenzierte kulturelle Situation.
SMN: Wie geht es weiter mit Dir und Deiner Band?
Philippe Stalder: Wir arbeiten bereits an einem
zweiten Album. So wie es sich abzeichnet, wird das diesmal eine reine
Sommerplatte...
Interview: Frank Hänecke