| Seit ihrem Debüt hat sich für Kisha einiges geändert.
Im Interview spricht die 23-jährige über ihr neues Album, die Uno, die
neue Band, Veränderungen und Songs, die sie zum Weinen brachten.
Swiss Music News: Seit deinem letzten Album sind drei Jahre
vergangen. Das ist eine lange Zeit im Musikbusiness. Wieso hat es
solange gedauert?
Kisha: Mein erstes Album (20’000 Einheiten verkauft), vor allem
die Single «Why» war sehr erfolgreich. Der dadurch verursachte Rummel
hat mich ziemlich überrollt. Ich habe sehr viel Sachen gemacht und mich
dabei vergessen. Ich habe mich verloren und zu wenig zu mir selber
geschaut. Irgendwann habe ich das realisiert und mich dann wieder mehr
um mich selber gekümmert. Ich fing an, autogenes Training zu machen und
anders zu leben. Habe diese Zeit aber auch genützt, um mit meiner Band
neue Songs zu schreiben.
SMN: Du hast Probleme mit dem Erfolg und dem Rummel um dich
bekommen?
Kisha: Ja! Ich musste wieder zu mir selber finden. Und habe dann
die ganze Energie in meinen Job und mein Singen gesteckt.
SMN: Für «Crazy World» hast du eine neue Band um dich
geschart. Wieso?
Kisha: Die Chemie musste stimmen. Ich musste die neuen Musiker mögen.
Rico Fischer (BMG) und mein Tonmeister Pat haben darauf geachtet, wie
gut sie musikalisch sind. Das ich mit ihnen anfing, Songs zu schreiben,
hat einen einfachen Grund. Beim ersten Album hatte ich nichts gemacht.
SMN: Ausser dem Text zu «Evi’s Song»...
Kisha: Ja, genau. Aber sonst habe ich die Lieder einfach bekommen
und habe sie gesungen. Ich war nur Interpretin. Ich wollte immer schon,
dass wenigstens ein Teil von meinen Ideen einfliessen. Deswegen habe ich
auch mit ihnen Songs verfasst.
SMN: Was hast du bei den Songs genau beigesteuert?
Kisha: Ich hatte beispielsweise eine Idee zu einem Text. Der
Gitarrist hat dann versucht, dazu eine Melodie zu finden. Ich habe
geschrieen, wenn es mir gefiel oder eben nicht. So nahmen die Lieder
Formen an. Ich bin von A bis Z dabei gewesen.
SMN: Musikalisch hast du auch etwas beigesteuert?
Kisha: Mitgeschrieben habe ich schon etwas, aber nicht alleine.
Ich spiele etwas Gitarre und Klavier, aber nicht bühnenreif.
SMN: Was hat sich neben dem, was wir schon aufgezählt haben,
sonst noch für dich geändert? In deinem Freundeskreis beispielsweise?
Kisha: Dort ist eigentlich alles gleich geblieben. Mein Umfeld
hat sich nicht geändert, ich habe mich geändert - zum Positiven. Ich
habe mein Befinden auch nicht von meinem Umfeld abhängig gemacht. Ich
bin gefestigter geworden. Ich verliere nicht mehr so leicht den Boden
unter den Füssen.
SMN: Das neue Album klingt sehr anders als das alte. Hast du
nicht Angst, die Fans damit vor den Kopf zu stossen?
Kisha: Also, komplett anders ist es ja nicht. Die Musik ist
einfach rockiger geworden.
SMN: Von leichtem, tanzbaren Pop hast du zu teilweise ziemlich
rockenden Sachen gewechselt. Das ist schon ein grosser Wandel.
Kisha: Ich denke nicht an meine Fans, wenn etwas entsteht. Ich
muss es mögen. Das ist für mich das Wichtigste. Ob etwas dem Volk gefällt,
darum soll sich meine Plattenfirma kümmern.
SMN: Im Pressblatt steht, dass du mit Musik Erfolg haben möchtest,
die dir hundertprozentig gefällt. Wenn man sich dein neues Album anhört,
sagt das ja auch irgendwie, dass dir dein erstes Album gar nicht so
gefallen haben muss. Du hast ja schon damals gesagt, dass eines deiner
grössten Vorbilder Alanis Morissette sei. Wie gut gefällt dir dein
erstes Album rückblickend?
Kisha: Als ich es eingesungen habe, hat mir mein erstes Album
gefallen. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Der Mensch entwickelt sich
weiter. Die Ansichten werden anders. Ich finde Weiterentwicklung gut. Es
wäre schlecht, wenn ich immer noch das Gleiche machen würde wie
damals. Es ist aber nicht so, dass ich mein Debüt nicht mehr hören
kann. Es gibt aber schon den einen oder anderen Song, den ich nicht mehr
mag. Die Songs, die ich noch live spiele, gefallen mir immer noch.
Ausser «Why», bei dem klar ist, dass ich ihn bringen muss.
SMN: Haben sich die alten Songs Live etwas geändert? Spielst du
sie rockiger?
Kisha: Ja, ja. Wir haben sie umarrangiert. Sie passen jetzt mehr
zum Sound, den wir jetzt machen.
SMN: Im weiteren war zu vernehmen, dass du bei einigen Songs Tränen
in den Augen hattest. Bei welchen war das?
Kisha: Das passierte bei «Crazy World», bei dem mir alles sehr
nahe ging, und «Thank you». Das sind alles Songs, die über die Jahre
gewachsen sind- und die einen Sinn haben. Ich habe die Texte komplett
selber geschrieben. In «Crazy World» geht es um eine Beziehung. Ich
frage, wieso er davon gelaufen ist und vor meiner «Crazy World» Angst
hatte. Wieso er dem nicht gewachsen war. Ich will ihm damit sagen, dass
es nicht fertig ist, nur weil er das Gefühl hat, es sei fertig. «Thank
you» kannst du deiner besten Freundin widmen, deinen Eltern oder deinem
Schatz. Jeder kann für sich herausfinden, um was es geht. Es ist ein
Dankes-Lied.
SMN: Dein neues Album liegt für mich musikalisch irgendwo
zwischen Alanis Morissette und ein wenig Nathalie Imbruglia. Wolltest du
etwas in diese Richtung machen?
Kisha: Nein. Einflüsse sind aber immer da, bewusst oder
unbewusst. Wenn du eine Zeitlang diesen oder jenen Musiker hörst,
beeinflusst dich das auf eine Art. Sicher, finde ich Alanis Morissette
cool, oder Jewel, aber deswegen klinge ich nicht wie eine der beiden.
Das finde ich nicht.
SMN: Ein wenig schon...
Kisha: Echt? Die Menschen vergleichen und schubladisieren gerne.
SMN: Das muss manchmal sein, um den Leuten ein Bild von der Musik
zu geben.
Kisha: Was ich aber überhaupt nicht finde, ist, dass ich wie
Nathalie Imbruglia tönen soll. (energisch) Ich habe immer gesagt, dass
ich nicht wie sie tönen will. Ihre Musik gefällt mir nicht. Sie hatte
den Song «Torn», der schön und super war, aber in diese Richtung will
ich nicht gehen. Ich will sowieso nicht, dass es beispielsweise
Schlagzeilen wie «Kisha, die Schweizer Alanis Morissette» gibt. Mit so
was hätte ich sehr Mühe. Es gibt schon eine Morissette und das
Original ist immer besser als die Kopie.
SMN: Dann solltest du vielleicht dem Blick kein Interview gewähren?
Kisha: Das ist schon passiert.
SMN: Zu etwas ganz anderem: Hättest du dich bei Popstars
gemeldet, wenn du noch nicht bekannt gewesen wärst?
Kisha: Nein! Ich hätte nie in einer solchen Gruppe singen
wollen. Früher gab es einmal ein solches Angebot, das ich aber
abgelehnt habe. Ich will nicht auf der Bühne tanzen und solchen Unsinn.
Ich möchte gerne ausdrücken, was ich singe und fühle.
SMN: Du wirst also nie als Schweizer Antwort auf Britney Spears
enden?
Kisha: Ums Himmels Willen, nein, auf keinen Fall.
SMN: In unserem letzten Interview hast du gesagt, dass du nur
kreativ bist, wenn du traurig bist. Hat sich das geändert?
Kisha: Das hat sich grundlegend geändert. Ich bin völlig
blockiert, wenn ich traurig bin. Wenn es mir gut geht, fliesst es viel
mehr. Es ist witzig, dass sich das so krass geändert hat.
SMN: Hat sich das durch dein autogenes Training geändert?
Kisha: Das kann sein! Beim autogenen Training gibst du dem Körper
und der Seele eine kleine Auszeit.
SMN: Ich finde auch, dass du im Vergleich zu unserem ersten
Interview von vor drei Jahren ruhiger geworden bist.
Kisha: Ja, das stimmt. Hauptsache ist, dass es positive Veränderung
ist.
SMN: Du bist an Uno-Benefiz-Veranstaltungen aufgetreten. Wieso
denkst du, dass wir der Uno beitreten müssen?
Kisha: Das kann ich nicht beurteilen. Ich finde einfach, dass es
eine schöne Sache ist. Als ich lass, dass sie sich um die dritte Welt kümmern,
hat mich das berührt, auch wenn das wahrscheinlich sehr naiv klingt.
Wir vergessen das im Alltag. Ich fand das so schön, dass ich Ja zu Uno
sagte.
SMN: Es ist aber schwierig nachzuprüfen, wie effektiv diese
Hilfe wirklich ist.
Kisha: Klar ist es schwierig, dass nachzuprüfen. Aber was kannst
du eigentlich nachprüfen?
SMN: Im Song «Probably» relativierst du alles ein wenig. Wie
kam es zum Text?
Kisha: Das ist einer von drei Songs, mit denen ich nichts zu tun
habe. «Sometimes» ist ein anderer, der hat mein Schlagzeuger
geschrieben. Der Song ist so schön, dass er unbedingt drauf musste. Bei
«Probably» war das genau gleich. Lisa Loeb hat den geschrieben. Er ist
aber auf keinem ihrer beiden Alben. Was mir an diesem Song sehr gut gefällt,
sind Aussagen wie die folgende: «Vielleicht liebe ich dich. Vielleicht
ist der Himmel blau und das Gras grün.» Dass das Gras grün ist und
der Himmel blau, ist klar. Also ist ganz klar, dass sie ihn liebt. Das
poetische dieses Songs fand ich schön.
SMN: Wie auf dem ersten Album «Evi’s Song» hat es auch auf «Crazy
World» eine Nummer, die etwas aus dem Rahmen fällt. Die Ballade «Angels»,
die wie aus einem Filmsoundtrack klingt.
Kisha: Der hiess früher «Lovesong». Das fand ich etwas zu
kitschig. «Angels» ist einfach ein ganz banales, wunderschönes
Liebeslied. Ich habe es ihn «Angels» umgetauft, weil die folgende
Textzeile darin vorkommt: «Was immer die Leute sagen, ich weiss, dass
Engel Seelen haben.» Dieser Satz ist für mich das Wichtigste an diesem
Lied.
Robert Pally
Interview: Robert Pally
Zur
CD-Besprechung |