| Für ihr zweites Album hat die Luzerner Formation
C7inch Änderungen an ihrem Sound vorgenommen. Im Interview redet
Keyboarder Guido Schilliger über Songtexte, ihren ungewöhnlichen
Namen, ihre Visionen und die Abkehr vom grungigen Vorgänger.
SMN: Euer neues Album braucht eine gewisse Anlaufzeit, bis man den
Zugang zu den Songs gefunden hat. War euch das von Anfang an bewusst,
oder habt ihr das erst später bemerkt?
Guido Schilliger: Na ja, es wurde uns bewusst, als wir realisierten,
wie lange wir mit diesen elf Songs verbracht hatten. In den vier Monaten
der Entstehung von "Are you waiting for something?" haben wir
uns wohl ein wenig von der Aussenwelt abgekoppelt und uns eine eigene
"kleine Welt" in unserem Probelokal aufgebaut. Wir haben uns
derart intensiv mit diesen Liedern auseinandergesetzt, dass der Zuhörer
wohl etwas mehr Zeit als gewöhnlich braucht, um den Zugang zum Album zu
finden.
SMN: Sind die Songtexte selbsterlebte Geschichten, oder spielt
auch Fiktion rein?
GS: Es sind vorwiegend selbsterlebte Situationen und Geschichten, bei
denen auch die damit verbundenen Gefühle und Gedanken eine Rolle
spielen. Eigentlich sind alles Alltags-Situationen, welche jedoch nicht
hundertprozentig einer bestimmten Person zugeordnet werden können,
sondern die Leute individuell ansprechen sollen.
SMN: Gibt es Texte, die ihr verworfen habt, weil sie zu persönlich
waren?
GS: Nein, verworfen haben wir eigentlich nichts. Es gab und gibt
jedoch einige Texte, die schlicht und einfach noch nicht reif waren, um
sie einzusetzen. Gerade weil die Texte so persönlich sind, brauchen die
Worte eine gewisse Zeit, bis sie wirklich ausdrücken, was sie sollen.
Ideen gibt es immer viele, doch der Schritt von der Idee zum fertigen
Songtext braucht Zeit...
SMN: In welchem Kapitel der Geschichte von C7inch befinden wir
uns?
GS: Diese Geschichte ist mittlerweile schon ziemlich lang und
kompliziert... J Aber hier die Kurzfassung: C7inch wird 1999 von vier
jungen, zu diesem Zeitpunkt ziemlich erfahrenen Musikern gegründet. Ein
erstes Album wird nur kurze Zeit später aufgenommen und in der ganzen
Schweiz veröffentlicht. Es folgt eine ausgedehnte Tour mit vielen
Konzerten. Wie das halt so ist, gibt es auch in C7inch gewisse
Differenzen, die an der Jahrtausendwende zum Split führen. Im
darauffolgenden Sommer wird eine neue, dreiköpfige Gruppe mit einem veränderten
Sound aus der Taufe gehoben. So präsentiert sich C7inch heute.
SMN: Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?
GS: Der Faktor Zeit spielte bei der neuen Platte wie auch bei unserem
Namen eine grosse Rolle. C7inch, das ist der Gegensatz von
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft... CD und 7inch, zwei verschiedene
Welten aus fortschrittlicher Gegenwart und nostalgischer Vergangenheit.
C7inch wurde von uns ursprünglich von "Clinch" abgeleitet,
was stellvertretend für das Zusammenleben in unserer Band steht - oder
vielleicht besser "stand".
SMN: Auf eurem neuen Album ist das Piano dominanter. Wie kam es
dazu?
GS: Als Multi-Instrumentalist und ehemaliger Schlagzeuger habe ich während
meiner Ausbildungszeit am Lehrerseminar (kaum zu glauben aber wahr!) fünf
Jahre lange in die Tasten gegriffen. Mit Rob Viso wurde dann ein mehr
als würdiger Ersatz für mich gefunden. Deswegen wechselte vom
Schlagzeuger ans Keyboard. Bei den Proben fanden wir, dass es sich
derart gut anhört und auch anfühlt, dass wir aus dem Piano ein
tragendes Element für unsere Musik machten.
SMN: Auch habt ihr euch vom grungigen Vorgänger abgekehrt. Was
war der Auslöser?
GS: Wir haben uns weiterentwickelt. Sicherlich hat dieser Wechsel
auch mit dem letzten Split zu tun. Die beiden ehemaligen Mitglieder
waren damals eher für die härteren Parts und die lauten Gitarren zuständig,
deswegen gibt es auf dem neuen Album wohl auch ein, zwei Gitarren
weniger zu hören. Der Hauptgrund hierfür liegt aber sicherlich in
unserem Bestreben, etwas komplett anderes zu machen, etwas, das sich vom
Alten unterscheidet.
SMN: Viele der Songs haben einen melancholischen Touch. Seit ihr
Melancholiker?
GS: Es ist bei uns eine eher positive Melancholie, welche mit guten
Absichten bzw. Vorsätzen gekoppelt ist. Vielleicht sind wir ja wirklich
Melancholiker? Wir sehen Melancholie aber nicht als krankhafte
Erscheinung wie zum Beispiel eine Depression. Melancholie ist für uns
vielmehr eine stille Nachdenklichkeit.
SMN: Sind Gianfranco Malito und Guido Schilliger so unausstehlich,
dass es immer Unstimmigkeiten mit den anderen Bandmitgliedern gab?
GS: Hmm... Wir denken, es kommt früher oder später überall zu
Reibereien, wo Menschen viel Zeit miteinander verbringen. Und die Musik
ist halt eine Sache, bei der man viel Zeit und Herzblut investiert. Da müssen
halt wirklich alle am gleichen Strick ziehen, wenn man als Band
weiterkommen und sich weiterentwickeln will. Und dies ist nicht immer
einfach, da ein jeder mehr oder minder grosse Erwartungen in die Sache
steckt. Von Zeit zu Zeit kann es zu ziemlich grossen Enttäuschungen
kommen. Wer weiss, vielleicht sind die beiden ja wirklich solche Ekel?!
Zwei Ekel mit ziemlich grossen Ambitionen.
SMN: Im Presseblatt redet ihr von einer Vision. Wie sieht die aus?
GS: Es ist die Vision von einem eigenen Sound, einer eigenen Musik.
Wir wollen genau die Musik machen, die wir über die Jahre schon immer
machen wollten. Wir können das Rad nicht neu erfinden, aber wir können
es vielleicht etwas anders gestalten.
SMN: Was probiert ihr dem Publikum an euren Konzerten mitzugeben?
GS: Die Leute sollten einfach für eine Weile den Alltag vergessen,
und in unsere Welt eintauchen. Vielleicht können sie sich sogar ein Stück
von dieser Welt mit nach Hause nehmen... Dieses drängende Gefühl
sollte sie veranlassen, am folgenden Tag unbedingt in den nächsten
Plattenladen zu gehen und sich unsere CD zu kaufen.
SMN: An wen ist der Albumtitel "Are you waiting for
something?" gerichtet?
GS: In erster Linie vermutlich an uns selbst und an alle die, die
etwas erreichen wollen, aber nicht wirklich etwas unternehmen, um an
diesen Punkt zu gelangen. Der Titel spricht aber auch für den Wandel
der Zeit, in welcher wir uns befinden. Überhaupt spielt der Faktor
Zeit, wie schon erwähnt, eine sehr grosse Rolle beim Album. Es ist das
Warten auf etwas, was nicht von alleine zu uns kommt. Wir müssen schon
selbst hingehen.
SMN: Wie ist der Albumtitel entstanden?
GS: Er schwirrte uns eigentlich schon vor der Produktion in den Köpfen
herum. Durch die vier Monate Aufnahmezeit bekam er aber erst seine
tiefere Bedeutung; In dieser Zeit passierte einiges, auch in unserem
privaten Umfeld. Die Tage kamen und gingen... Was blieb, waren diese
Songs, welche sich langsam aber sicher zu einem Album entwickelten.
Durch sie konnten wir während dieser Zeit unsere Erlebnisse verarbeiten
und so - jeder für sich - voranschreiten. Und allgegenwärtig war das
Warten darauf, dass diese Platte endlich fertig werden wird.
Interview: Robert Pally
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