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Interview mit Reto Burrell

Das schwierige zweite Album...

Swiss Music News: Dein neues Album klingt anders als dein Debüt. Die Songs wirken rockiger, weniger Country-bezogen. Wieso?

Reto Burrell: Das stimmt nicht ganz. Die Songs als Kompositionen sind viel mehr Country, viel mehr Folk. Vor der Vorproduktion habe ich die Songs akustisch aufgenommen. Ich wollte sie so als Songs stehen lassen und sie zusammen mit dem Produzenten dann verrocken. Bei «Echo Park» war es gerade umgekehrt. Wir gingen von Rocksongs aus und haben sie dann folkig, ja «countryesk» arrangiert.

SMN: Wieso hast du die Country-Songs «verrockt»?

RB: Das Ganze passierte mehr aus Spass. Ich habe schon immer Rocksongs geschrieben. Viel anders sind sie nicht, bloss besser (lacht). Die Kompositionen sind gewachsen, auch die Texte sind reifer.

SMN: Auch scheint die Produktion besser...

RB: Auf jeden Fall. Ich war in Amerika, um das Album zusammen mit Adam Steinberg (Todd Thibaud, Dixie Chicks) zu produzieren. Das war hart, aber ich wollte ein Up-Tempo-Album machen. So etwas konnte ich nicht selber, dafür brauchte ich einen amerikanischen Produzenten. Es ist uns gelungen. Ich denke nicht mal, dass «Echo Park» eine Country-Platte ist. Ich habe sie immer als Rock eingestuft, zwar mit etwas Roots. «Shaking of the monkeys» ist jetzt halt mehr Pop, obwohl sich auch Roots-Nummern drauf befinden. Zum Beispiel «It doesn’t mean a thing» oder «Habits». «Shaking of the monkeys» liegt für mich im gleichen Bereich wie die Sheryl Crow oder die Wallflowers. Die sind auch im Pop-Rock-Bereich anzusiedeln, obwohl, wenn man sie genau anschaut, haben sie auch viel Country- und Folk-Einflüsse. Das wollten wir auch. Die Songs sollten mehr rocken und ich wollte mehr elektrische Gitarren einsetzten. Das kam auch durch unsere vielen Konzerte. Die Mid-Tempo-Songs sind in Ordnung, aber ich habe mehr Freude, wenn die Songs etwas abgehen. Vor allem, weil die Leute dann mehr tanzen und mehr mitmachen.

SMN: Hast du die neuen Songs schon vorab live gestestet?

RB: Nein, eigentlich nicht. Bloss «Baby blue», die erste Single, habe ich drei oder viermal auf der letzten Tour gespielt. Ich habe die neuen Songs auch mit meiner Band nie angeschaut - bis anfangs dieses Jahres. Ich wollte, dass wir richtig euphorisch sind und das Zeug nicht schon tot gespielt haben.

SMN: Für die Produktion gingst du zweimal nach New York. War die CD eine Zangengeburt?

RB: Wir hatten Zeitprobleme. Adam ist nicht gerade der Schnellste, das war schlussendlich aber zu meinem Vorteil. Er lässt sich Zeit und ist nie gleich zufrieden. Der Mastering-Termin bestand bereits. Dann musste ich zurück, weil der Videoclip gedreht werden sollte. Auf jeden Fall hat dann alles irgendwie geklappt, wir gingen zum Mastering und hatten dort Probleme mit dem Dat. Den Aufnahmen waren kleine Störsignale überlagert. Nach ein paar Stunden brachen wir das Ganze ab. Wir schauten, ob wir die Aufnahmen noch auf einem anderen Band hatten - ohne die Störsignale. Das Mastering war an einem Freitag morgen, am Abend hätte ich wieder zurück gemusst, weil am Wochenende die Aufnahmen für das Video begannen. So flog ich zurück ohne, dass wir die CD gemastert hatten. Zuhause hörte ich mir die Aufnahmen noch einmal an. Ich fand die Produktion, die Songs und unsere Performance super, aber die Abmischung nicht. Die musste verbessert werden, und zwar bei fast allen Songs. Wir haben dann acht von elf Songs neu abgemischt. Deswegen ging ich noch mal nach New York. Wir haben die Aufnahmen auch gleich gemastert.

SMN: Wie viel Zeit hast du eigentlich in Amerika verbracht?

RB: Für die ganze Platte habe ich zwei Monate dort verbracht. Gewisse Sachen haben wir in Rhinebeck, New York, gemacht. Für andere gingen wir nach Boston. Die Streicher («Simple Things») und das Piano haben wir in New York eingespielt.

SMN: Das Album scheint für dich sehr wichtig zu sein.

RB: Ja, es ist extrem wichtig. «Echo Park» fand ich erst ein Jahr nach der Veröffentlichung gut. «Shaking of the Monkeys» fand ich schon toll, als wir es aufnahmen. Ich bin sehr stolz auf die Lieder, mein Gesang ist besser geworden. Wir haben uns durch die vielen Tourneen verbessert. Ich höre die neuen Sachen jetzt, das habe ich noch nie vorher getan. Für mich war es auch wichtig vorwärts zu kommen. Ich wollte dazu lernen. Ich wollte auf keinen Fall mehr selber produzieren wie bei «Echo park». Wir haben auch versucht, uns an High-Budget-Produktionen zu orientieren, obwohl wir bloss ein niedriges Budget hatten. Ich glaube, dass ist uns nicht schlecht gelungen.

SMN: Wie hast du das alles finanziert?

RB: Du musst auf die Suche nach Leuten gehen, die in dich investieren. Vier Songs von «Echo park» konnte ich in einer amerikanischen Fernsehserie namens «The Education of Max Bickford» (mit Richard Dreyfuss) platzieren. Sie werden dort regelmässig gespielt. Das hat mir einiges an Geld eingebracht, das ich für die Aufnahmen verwenden konnte. So etwas kann ich nicht ewig machen. Deswegen ist mir «Shaking of the Monkeys» auch so wichtig. So eine Platte kann ich im nächsten Jahr nicht noch mal machen. Ich will weiterkommen. Ich muss auch meine Platten in Amerika absetzten. Ich wäre jetzt wieder bereit, einen Vertrag mit einem Major-Label einzugehen (Anmerkung: Reto war mit seiner alten Band Släm eine Zeitlang bei EMI unter Vertrag). Ich würde das jetzt anders angehen. Ich hoffe, in Amerika einen Major oder vielleicht eine kleinen Deal zu finden.

SMN: Was machst du, wenn das Album nicht einschlägt?

RB: Keine Ahnung.

SMN: Hier wird es sicher schwieriger, weil die Platte mehr US-orientiert ist, und nicht wie die CD eines Schweizer klingt.

RB: Ja, da hast du Recht. Wieso verkaufen Dada (Ante Portas) oder Vivian mehr als ich? Weil man hört, dass sie aus der Schweiz kommen. Sie haben einen Bezug zur Schweiz. Klar, verkaufen sie so im Ausland nichts. Meine Musik wird nicht in den gleichen Topf geworfen. Ich muss mich mit der amerikanischen Konkurrenz messen. Mir gefallen auch Bands, die man hier nicht so kennt.

SMN: In dem Fall hast du dich auch mehr an amerikanischen Bands orientiert etwa Wallflowers, aber auch Sachen vom letzten Bryan Adams Album.

RB: Ja, sicher. Sheryl Crow war auch eine Vorgabe, vor allem ihr neues Album. Ich finde es besser, weil es frechere Gitarren drauf hat, weil die Songs besser sind, weil sie nicht so lange sind und, weil sie nicht immer stirbt in den Songs.

SMN: Welches ist dein Lieblingssong auf «Shaking of the Monkeys»?

RB: Einen, den ich immer wieder gerne höre, ist der vierte, «Simple things». Das ist der älteste Song. Ich habe vor drei Jahren begonnen, ihn zu schreiben. Er wurde erst Ende letztes Jahr fertig, weil ich nie genau wusste, wie ich ihn einsetzen kann. Wir haben uns jetzt auch getraut, Streicher und Piano zu verwenden. Wir haben auch frecher gesungen. Das war für mich ein riesiger Schritt nach vorne.

SMN: Habt ihr gesamplete Streicher verwendet?

RB: Ja. Wir wollten zuerst mit richtigen arbeiten, konnten dann aber nicht. Schliesslich bekamen wir ein gutes Angebot von Andrew Sherman, der bei Mariah Carey Keyboard spielt. Er hat das toll hingekriegt. Die Streicher klingen sehr echt.

SMN: Wieso hast du «Baby Blue» als Single ausgekoppelt? Für mich ist er einer der schwächeren Songs auf «Shaking of the Monkeys».

RB: Der beste Song muss nicht immer die Single sein. Du musst in Mainstream-Kategorien denken. Ich habe mir überlegt, welcher Song für die Schweizer Radios passen würde. Ich muss hier einen Songs haben, den man beim zweiten Chorus mitsingen kann, der einfach ist und eine starke Aussage hat. Bis jetzt hat sich grösstenteils bestätigt, dass «Baby blue» die richtige Wahl war. Er kommt bei den Leuten gut an. «Doesn’t mean a thing» ist auch ein genialer Song. Für die College-Radios in Amerika wäre er sicher sehr geeignet, aber nicht hier in der Schweiz. Dieser Song hat einfach zu viele Rock-Elemente für unsere Radios. Den würde hier niemand spielen. Mit dem musst du rechnen. «Simple things» wäre für den amerikanischen Markt sicher der Favorit. Ich habe Adam gesagt, dass wir aufpassen müssen, dass die Songs nicht zu rockig werden. Momentan sind aber auch in der Schweiz wieder rockige Songs im Aufwind. Vielleicht geht deswegen die Rockbarriere wieder etwas runter?

SMN: In «Baby blue» kommt der Chorus eigentlich sehr schnell. Du hast bloss zwei Strophen und eine Überleitung vorangestellt. Für mich hätte es eine dritte Strophe vertragen. Hast du dich bewusst an ein Popsong-Schema gehalten?

RB: Ich schreibe all meine Songs so. Ich stehe sehr auf dieses Pop-Prinzip. Ich mache das aber nicht, weil es so sein muss, sondern weil ein Song besser klingt, wenn man schnell zum Chorus (dont’t bore us get to the chorus) kommt. Ein Song muss vorwärts gehen. Wenn bei mir ein Song vier Minuten geht, ist das eine Ausnahme. Die meisten dauern knapp drei Minuten. Das ist einfach meine Art zu arrangieren, ohne es bewusst zu tun.

SMN: Wie ist der Kontakt zu Adam Steinberg entstanden?

RB: Durch Todd Thibaud, mit dem ich schon zusammen gespielt hatte. Als es darum ging einen Produzenten zu finden, hatte ich eine Traum- und eine reelle Liste gemacht. Auf der reellen gab es eigentlich nur einen Namen, den von Adam Steinberg. Ich habe ihn kontaktiert und meine CD geschickt. Er fand sie toll und wollte mit mir arbeiten. Zuerst habe ich dann die neuen Songs akustisch live eingespielt und sie ihm geschickt. Ein Song muss so funktionieren. Ich wollte die Songs nicht im Studio mit Effekten aufmotzten. Er fand auch diese Sachen toll. Im letzen November bin ich dann in die Staaten geflogen, um die Sache mit Adam anzuschauen. Wir haben gewisse Sachen geändert. Dann bin ich wieder zurück. Im Dezember ging ich ja noch auf Tour. Im Januar haben wir die Songs dann mit der Band angeschaut. Ende Januar war die Pre-Production fertig. Und so ging es weiter.

SMN: Wie bist auf den Titel «Shaking of Monkeys» gekommen? Hat er mit Abschütteln der Vergangenheit zu tun?

RB: «Echo Park» aufzunehmen, war für mich eine Belastungsprobe. Die Geschichte mit Pete Andersen (Anmerkung: Reto hatte einen Vertrag mit dem Amerikaner, der dann wieder aufgelöst wurde) Deswegen musste ich die CD nochmals aufnehmen. Die neuen Songs zu schreiben, war für mich wie eine Art Befreiung - ein Brechen mit der Vergangenheit. Das Cover-Foto entstand übrigens in Luzern in der Bar 57. Die Arbeit mit dem Affen war sehr mühsam, weil er nie stillhalten wollte. Wir konnten nur ein einziges Foto verwenden. Auf dem Cover-Foto setzt er gerade dazu an, mich zu attackieren.

SMN: Ein paar deiner Lieder wurden vom Fox Television für die Fernsehserie «The Education Of Max Bickford» (mit Richard Dreyfuss) verwendet. Welche waren das und wie bist du dazu gekommen?

RB: Das waren «Its up to you», «Without you», Working overtime» und «Die». Jonathan Weiss, der Musiksupervisor dieser Show ist auch noch Manager der Band Reckless Kelly. Jonathan hatte zusammen mit ihnen im Studio von Pete Andersen einen Song für eine Compilation aufgenommen. Irgendwie gelangte er dort an meine CD «Foolpark Session». Jonathan gefielen die Songs so gut, dass er mich fragte, ob er nicht ein paar für die Fernsehserie verwenden dürfte. Ich sagte zu, war mir aber nicht sicher, ob das auch wirklich klappen würde. Ein halbes Jahr später wurden tatsächlich die ersten Songs gespielt. Das Geld, das ich dafür bekam, konnte ich gut für die Aufnahmen der CD gebrauchen.

Interview: Robert Pally

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