| "Bilderbuch" ist für Florian Ast sein anspruchsvollstes
Album und gleichzeitig der Abschluss seiner Mundart-Werke.
Swiss Music News: Nach der eher Sex-orientierten Aufmachung
deines letztes Album "Spitz" bist du mit deinem neuen, vierten
Album optisch in deine unschuldige Bubenzeit zurückgekehrt. Ist zuviel
Sex ungesund?
Florian Ast: Mit der Aufmachung von "Spitz" war ich
nie glücklich. Es sind Fehler passiert. Das Album musste unbedingt raus
und es wurde schnell, schnell ein Cover gestaltet. Bei
"Bilderbuch" wollte ich das Cover selber entwerfen. Wenn ich
schon Musik auf einem qualitativ hohen Level machen darf, dann soll auch
die Verpackung dementsprechend sein. Die Idee war einen jungen, hübschen
Buben, mich, auf das Cover zu stellen (lacht). Wen soll man anderes
nehmen?
SMN: Ein Bilderbuch schaut man sich als Kind an. Bilder erzählen
Geschichten. Wie bist du zum Titel gekommen?
Florian Ast:
Ich hatte mit der Zeitung "20 Minuten" eine Ausschreibung für
einen Albumtitel lanciert. Ein Bub kam mit dem Vorschlag
"Bilderbuch". Er sagte, dass er sich von jedem Song ein Bild
machen könne, und die Single "Bild" sei ja auch schon
draussen. Das fand ich toll und gab mir die Gelegenheit das Bild von mir
als Bub zu verwenden, das ich schon lange nehmen wollte.
SMN: "Bilderbuch" ist musikalisch sehr
vielschichtig. Es sind Stile wie Chanson, Pop, Ethno, Rock'n'Roll, Rock,
80ties-Pop vertreten, und sogar zwei Tschaikowski-Zitate.
Florian Ast:
Ich habe zusammen David Bronner (mit ihm schreibt er seit
"Florenstein" Musik) sehr lange an der Musik gearbeitet. Ich
bin auch viel herumgereist für "Bilderbuch". Ich habe Sachen
in Wien gemacht, in Hamburg und München. Überdies war ich in Kenia,
zwar nicht wegen der Musik, aber einen Einfluss auf den Song
"S'Land" hatte der Aufenthalt schon. Eines der
Tschaikowski-Zitate (aus Schwanensee) ist im Lied "Bild" zu hören.
Das andere habe ich ans Ende vom "S'Läbe" gestellt. In Wien
habe ich ein Tschaikowski-Konzert besucht. Dort hörte ich eine Melodie,
die genau zu diesem Song passte.
SMN: Laut dem Pressebeiblatt ist "Bilderbuch" dein
bestes und reifstes Album. Das sagt doch jeder. Wieso stimmt es bei dir?
Florian Ast:
Mit dem, was dort steht, habe ich nicht sehr viel zu tun. Aber sicher,
"Bilderbuch" mein bestes Album bis jetzt, obwohl ich das immer
sage. Es ist aber sicherlich mein anspruchvollstes Werk. Vom Songwriting
her ist es klar besser als das letzte. Ich habe viel Sachen weitergeführt.
Ich habe sehr viel in "Bilderbuch" gesteckt. Es ist wie ein
Kind, das auf die Welt kommt.
SMN: Das aktuelle Album steht einem immer am nächsten.
Florian Ast:
Ja, das stimmt. Ich habe mal gesagt, dass ich vier Mundart-Alben mache.
"Bilderbuch" ist das vierte. Das war's jetzt. Ich habe auch
das Gefühl, dass ich nicht besser als "Bilderbuch" werden
kann. Von der Produktion her ist es sehr gut, vom Songwriting her sehr
gut. Sehr gut, sehr gut, sehr gut. Tausend mal sehr gut (lacht).
SMN: Die erste Single "Bild" erschien schon im
November 2001, das dazugehörige Album erst jetzt. Wieso diese lange
Verzögerung?
Florian Ast:
Ich wollte etwas anderes machen als "Sex". Es wäre einfach
gewesen, noch mal einen ähnlichen Song zu schreiben. Mit
"Bild" wollte ich von diesem Image weg, hin zu mehr Tiefe. Der
Song war auch eine Vorbereitung für das Album "Bilderbuch".
Ich wusste aber, dass der Song nicht hohe Wellen werfen würde, obwohl
ich das sicher gerne gehabt hätte. Ich wollte etwas Stillvolles machen.
Trotzdem war sie meine erfolgreichste Single.
SMN: Bist du jetzt endlich erwachsen, oder muss man gewissen
Revolverblättchen glauben schenken, dass dem noch nicht so ist?
Florian Ast:
Ich bin 26-jährig, habe vier Alben aufgenommen. Zeig mir einen
gleichaltrigen, der solche Alben in solch einer Qualität gemacht hat!
Wenn das nicht erwachsen ist, weiss ich nicht mehr, was erwachsen sein
soll. "Bilderbuch" war harte Arbeit. Als Kindskopf hätte ich
das wohl kaum hingekriegt.
SMN: Welches ist das persönlichste Lied auf
"Bilderbuch"?
Florian Ast:
Momentan ist es "I dine Arme". Mir gefällt die Harmonie im
Refrain, weil sie nicht ganz logisch ist. Der Bass läuft vom Takt her
anders.
SMN: Das ist von der Musik her. Welcher ist der persönlichste
vom Text her?
Florian Ast:
"S'Läbe isch schön" gefällt den meisten. Für mich ist das
so ein "Zeigefinger-Song". Das ist aber gar nicht so meine
Art. Es fällt mir leicht, so etwas zu schreiben. Auch der Text von
"I dine Arme" gefällt mir jetzt gerade am besten, obwohl es
bloss um Liebe geht. Im Text ist alles toll und wunderbar.
SMN: Gut, es gibt solche Momente im Leben, die sind einfach
so!
Florian Ast:
Vor kurzem habe ich irgendwo gelesen, dass das Verliebtsein und die
damit verbundene "Blindheit" etwa 90 Tage dauert. Das habe ich
mit "I dine Arme" glaub ich gut getroffen.
SMN: In deinen Texten gibst du nie ganz alles preis. Gibt es
generell eine Grenze, was persönliche Sachen anbelangt, die du nicht überschreitest?
Florian Ast:
Ja, sicher. Ich mache das seit sieben Jahren und habe irgendwann eine
Grenze gesetzt, wie weit ich gehen will - nicht nur textlich.
Beispielsweise sage ich zu einer Schweizer Illustrierten nicht nein. Im
Gegenzug sage ich aber auch nicht zu jeder Story ja. Letzthin hat man
mir eine Titelseite angeboten, aber nur wenn ich mich mit meiner
Freundin ablichten lassen würde. Das habe ich abgelehnt. Ich würde
mich schämen. Sicher muss und will ich mich verkaufen, aber nicht um
jeden Preis.
SMN: Du hast von einem Abschluss gesprochen. Hast du schon Pläne
für deine Zukunft?
Florian Ast:
Mein Plattenvertrag mit BMG läuft aus. Jetzt kommen neue Verhandlungen.
Mittlerweile bin ich ein Künstler, der etwas fordern darf. Mit einem
neuen Mundart-Album könnte ich sicher noch mal mehr Geld verdienen.
Dann habe ich aber nachher wahrscheinlich achtzigmal im Stadtkeller
Luzern gespielt und achtzigmal im Bierhübeli Bern. Das will ich nicht.
Deswegen mache ich nach diesem Album und der Tournee dazu, einen
Schnitt. Die Tour wird grösser den je. Ich habe beispielsweise einen
Eifelturm auf der Bühne. Ich brauche ein neues Ziel, eine neue
Herausforderung.
SMN: Was ist das für ein Ziel?
Florian Ast:
Ich will mit ein paar Kollegen aus Hamburg ein Deutsch gesungenes Album
einspielen. Es gab in der Vergangenheit schon ein paar solche Versuche,
aber ich war nie richtig zufrieden damit. Jetzt will ich es richtig
machen. Musikalisch wird es an "Bilderbuch" anschliessen.
Interview: Robert Pally
Siehe auch CD-Besprechung |