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Interview mit Ivo

Der Innerschweizer Sänger und Musiker Ivo spricht über sich und sein Album «Closer»

SMN: Wie weit hast du erreicht, von was du als Musiker ohne Plattenvertrag geträumt hast?

Ivo: Ach, logisch gibt's da einige Sachen, die schön waren und von denen ich dachte, o.k., das war jetzt nicht schlecht. Ich steh nicht mehr ganz am Anfang, aber der Weg ist nach wie vor noch weit...

Was ich sicher erreicht habe und was gleichzeitig eigentlich immer Hauptmotivation war, ist, dass es Menschen gibt, die an meinen Songs und der Musik Freude haben, die irgend etwas für sich selbst da drin finden. Das ist immer noch die grösste Motivation, denn genau deswegen mach ich's ja... ich will nicht Musik für mich alleine im stillen Kämmerlein machen, ich will die Menschen damit erreichen und wenn mir das gelingt, ist schon sehr viel erreicht. Und was ich auch erreicht habe, ich konnte und kann immer noch mit talentierten und zum Teil unglaublich musikalischen Menschen arbeiten, was ebenfalls immer eine sehr schöne Erfahrung ist und mich weiter antreibt, besser zu werden.

SMN:. Was hast du noch nicht erreicht?

Ivo: Na ja, es war ja eigentlich nie so, dass ich von was weiss ich nicht was geträumt hätte... ein "Traum" - wenn man das denn so nennen will - wäre aber natürlich schon, dass ich mal von meiner Musik leben könnte, was leider nach wie vor nicht der Fall ist! Darf man das sagen? Na ja, egal, so ist's nun mal... Irgendwas in mir drin rebelliert da natürlich immer noch, weil ich nicht einsehe, dass ich zwar eindeutig mehr als nur 100% gebe für die Musik, es aber nicht möglich sein soll, dass ich mir damit wenigstens einen bescheidenen Lebensstandard ermöglichen kann... Vielleicht hat das einfach auch mit dem Stellenwert von Musik, oder dem Stellenwert vom Musiker als solchem in der Gesellschaft und vor allem auch in unserem Land zu tun... so nach dem Motto: " Aha, Du machst Musik. Und was arbeitest Du? " Und in der Branche selbst wird ja trotz zurück gehenden Verkaufszahlen immer noch relativ gut verdient, ich kenn' auf jeden Fall viele, die sich von der Musikbranche ernähren, es sind einfach nicht die Musiker, zumindest nicht in unserem Land.

SMN: Ich persönlich war von deinem Debüt enttäuscht, vor allem weil ich deine Demos kannte. Die Produktion zu glatt, den Songs fehlte das Leben. Wie siehst du "All in all" rückblickend?

Ivo: Nicht so wie Du... ;-) Aber ich kann mir natürlich schon vorstellen, was Du in etwa meinst. Dass eine Produktion als zu glatt empfunden, oder besser, kritisiert wird, hat meines Erachtens in den allermeisten Fällen vornehmlich mit dem Geschmack des «Kritisierenden» zu tun, es gibt da nämlich auch immer die gegenteilige Meinung. Dass Leben gefehlt hat, da gebe ich Dir aber recht... war aber auch nicht verwunderlich, nachdem über zwei Jahre unzählige Leute ihren Senf zu allem gegeben hatten! Da war das die logische Folge, dass den Songs eine gewisse Unschuld und halt eben das vielleicht etwas Zerbrechliche, dafür aber Lebendige genommen wurde. Rückblickend war es für mich halt einfach ganz wichtig, das Album überhaupt gemacht zu haben! Ich hab viele Erfahrungen gesammelt, wurde quasi ins kalte Wasser geworfen, nachdem ich doch schon jahrelang am Schreiben war und eigentlich meinte, ich wisse, wie der Hase laufe... das war eine schwierige, aber ebenso eine unglaublich intensive und wertvolle Zeit. Ich hatte das Privileg, mit wirklich sehr guten Leuten arbeiten zu können, hab viel gelernt, mir Respekt erarbeitet und davon auch jetzt für die Arbeit am zweiten Album profitiert. Es war halt rückblickend so, wie man's ja eben kennt: Zuerst wollen sie Dich knebeln und Dir zeigen, dass Du ein Niemand bist... aber da muss man eben durch, will man dranbleiben. Und, man muss eben auch in Kauf nehmen, dass es Leute gibt, die immer nur am Vergangenen hängen bleiben, das Alte immer besser finden und nicht sehen, was an Arbeit, Erfahrung und Reife hinzugekommen und eingeflossen ist. (Da könnte ich Dir jetzt noch zwei Stunden erzählen, wieso...)

Ich denke rückblickend, ich hab nur profitiert, in jeder Hinsicht, auch wenn das Album selbst vielleicht nicht in jedem Moment wie aus einem Guss kommt. Nichts desto trotz hat's da ein paar ziemlich gute Nummern drauf, die meines Erachtens vielleicht etwas zu Unrecht nicht richtig wahrgenommen worden sind...

SMN: Wird es diese Demos jemals auf CD geben?

Ivo: Die gibt's schon auf CD... ;-) Aber im Handel werden die sicher nicht zu finden sein!

SMN: Wie erfolgreich in Zahlen war "All in all"?

Ivo: Zu wenig...!

SMN: "Closer" hat mehr die Substanz von deinen Demos. Dein Herzblut drückt hier endlich durch. Bist du mit "Closer" schon am Ziel deiner Vorstellungen?

Ivo: Danke für die Blumen... ;-)

Am Ziel sicher nicht, aber ganz bestimmt einen Schritt näher!

SMN: Was waren deine persönlichen Höhepunkte in deiner Karriere seit deinem Debüt?

Ivo: Eine sehr schöne Zeit war logischerweise die Europa-Tour mit Shakira. Das war sicher eine Ehre, auf dieser Tour mit von der Partie zu sein, es war eine Art Belohnung für die letzten Jahre... wobei ich immer auch gleichzeitig drauf hinweisen muss, dass ich dafür hart gearbeitet habe und mein Umfeld ebenso, das ist uns nicht einfach so in den Schoss gefallen. Aber grundsätzlich sind die eigentlichen Höhepunkte all die verschiedenen Menschen, die ich in den letzten Jahren kennen gelernt habe, mit denen ich arbeiten und schöne Momente erleben konnte.

SMN: Wie stark hat dich diese Zeit verändert?

Ivo: Das ist nicht so einfach zu beantworten, da müsstest Du wahrscheinlich mein Umfeld fragen... Man hat mir lange vorgeworfen, zu anständig und zu nett zu sein, und wahrscheinlich werd' ich das auch nie ganz ablegen können. Ich versuch ja auch immer, mich in dem Ganzen nicht all zu wichtig zu nehmen und mir bewusst zu bleiben, dass es auch noch andere Dinge im Leben gibt, die wichtig sind, insofern versuch ich eben immer, mit Menschen so umzugehen, wie ich es selber auch gerne erfahren würde und nicht rücksichtslos zu sein... aber es ist schon auch so, dass dieses ganze "Unternehmen" eine ziemlich harte Sache ist, psychisch, physisch und nicht zuletzt finanziell, das Business wird nicht umsonst als das Härteste bezeichnet, man sieht viele Wichtigtuer, hört viel bla bla, muss viele Kompromisse eingehen. Zu träumen alleine reicht leider nicht, man muss sehr viel tun, um auch nur halbwegs am Ball bleiben zu können, so gesehen haben mich die letzten Jahre sicher auch ein bisschen abgehärtet, ich weiss heute logischerweise besser, was ich will und, was noch wichtiger ist, ich weiss besser, was ich nicht will! Nur, das zu vertreten ist nicht einfacher geworden...

SMN: Wie kam es, dass du mit Jeff Coplan (Er hat an einigen  Songs mitgeschrieben) zusammen gearbeitet hast?

Ivo: Mein Management schlug vor, dass ich mit ihm mal zusammen sitzen sollte und wir versuchen sollen, miteinander zu arbeiten.

SMN: Wie hast du ihn kennen gelernt?

Ivo: Wir wurden uns vor drei Jahren in New York vorgestellt, haben auch vereinbart, mal was zu machen, es kam damals aber aus Zeitgründen nicht dazu. Ein Jahr später haben wir uns dann in einem kleinen Hotelzimmer in London zusammen hingesetzt und aus dem Stand zwei Songs geschrieben. Jeff ist ein unglaublich talentierter Musiker und Produzent, ein echtes Multitalent und dazu ein super netter Kerl, wir sind mittlerweile wirklich auch Freunde.

SMN: Welcher ist dein Lieblingssong auf "Closer" und warum?

Ivo: Na ja, ich hab zwei, "She's The Reason" und "Hold On" ... Warum? Auch wenn's unbescheiden klingen mag, aber ich find' schon, dass man solche Songs erst mal schreiben muss... die hört man nicht jeden Tag und die schreibt auch nicht jeder. Und ich weiss auch selber, dass ich solche Songs nicht jeden Tag schreibe... Na ja, soll sich ja keiner angegriffen fühlen, ist ja nur meine persönliche Meinung... aber Du hast ja gefragt! ;-)

SMN: Gibt es eine schöne Anekdote von der Tour mit Shakira?

Ivo: Anekdoten gibt's zu Hauf... vor allem lustige, wir haben äusserst viel gelacht!

Eine schöne Anekdote? Der Gig in Rotterdam war echt ein emotionales Highlight, die Leute waren voll mit uns... Das war unglaublich schön!

Und dann wahrscheinlich auch die, sie mehrmals getroffen zu haben und zu sehen, dass auch jemand wie sie vollkommen normal sein kann und dazu auch noch äusserst nett und zuvorkommend! Und dass auch ein Superstar wie sie ihre Krämpfe hat, scheu und verunsichert sein kann... Und ganz abgesehen von ihr, denn das trifft auf alle zu, die damals auf der Tour waren und auf viele, mit denen ich auch sonst gearbeitet habe: Es ist immer wieder gut zu sehen, dass man kein A... sein muss und dennoch Erfolg haben kann.

Robert Pally

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